Mikrovaskuläre Dysfunktion (INOCA/ANOCA)


Kurz & knapp

Persistierende Angina pectoris trotz unauffälliger oder nicht signifikant stenosierter Herzkranzgefäße wird häufig vorschnell als „nicht-kardialer Brustschmerz“ abgetan. Tatsächlich liegt bei einem relevanten Anteil dieser Patient:innen eine koronare mikrovaskuläre Dysfunktion oder ein epikardialer Vasospasmus zugrunde (INOCA/ANOCA). Die quantitative Stress-Perfusions-MRT kann diese funktionelle Störung nicht-invasiv sichtbar machen und ermöglicht eine gezielte Endotypisierung.

Wann? – Indikation

Leitsymptom ist eine persistierende Angina pectoris nach Ausschluss einer signifikant stenosierenden koronaren Herzkrankheit mittels invasiver Koronarangiografie oder Kardio-CT. Statt der Entlassungsdiagnose „nicht-kardialer Brustschmerz“ verlangt dieses Beschwerdebild eine gezielte Ergänzung um die Mikrozirkulationsdiagnostik, um das vollständige Bild zu erfassen.

Warum? – Klinische Konsequenzen

Eine fehlende Diagnose bedeutet eine fehlende, gezielte Therapie. Ziel der weiterführenden Diagnostik ist die Endotypisierung: vasospastische (epikardiale), mikrovaskuläre oder kombinierte Angina. Da relevante Koronarstörungen koexistieren können, ist eine multimodale Diagnostik sinnvoll.

  • Invasive Koronarfunktionsmessung: mikrovaskulärer Widerstandsindex (IMR > 25 mmHg pathologisch) und koronare Flussreserve (CFR < 2,0–2,5 pathologisch)
  • Nicht-invasiv ergänzend: quantitative Stress-Perfusions-MRT

Wie & Was? – Diagnostik und Befunde

Die quantitative Stress-Perfusions-MRT bestimmt den myokardialen Blutfluss (MBF) in Ruhe und unter Vasodilatator-Stress pixelweise. Charakteristisch für eine mikrovaskuläre Dysfunktion sind:

  • Subendokardiales Perfusionsdefizit: zirkumferentiell betontes, nicht koronarterritorial gebundenes Muster
  • Fehlender Anstieg des myokardialen Blutflusses (MBF) unter Stress trotz unauffälliger epikardialer Koronarien

Dieses Befundmuster unterscheidet sich grundlegend vom koronarterritorialen, subendokardial bis transmuralen LGE-Muster der klassischen KHK (siehe Koronare Herzkrankheit) und lässt sich mit der Stress-Perfusions-MRT nicht-invasiv erfassen – Details zur Untersuchungstechnik auf der Themenseite Stress-Perfusion.

Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Sprecherin der DGK-Arbeitsgruppe 21 (Kardio-MRT)

Über die Autorin

Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper ist Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie und Sprecherin der Arbeitsgruppe 21 (Magnetresonanztomographie) der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und zertifiziert als DGK Level 3 sowie SCMR Level III für kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie. Zudem verfügt sie über umfangreiche klinische Erfahrung als Leiterin der kardiologischen Notaufnahme und Chest Pain Unit. Ihre wissenschaftlichen Publikationen rund um Herzbildgebung und Kardio-MRT finden Sie auf PubMed.

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