Koronare Herzkrankheit im Kardio-MRT
Kurz & knapp
Bei koronarer Herzkrankheit (KHK) beantwortet die Kardio-MRT über Funktion, Stress-Perfusion und LGE-Pattern die Fragen nach Vitalität vs. Narbe, Infarktgröße und Ischämienachweis – koronarterritorial und subendokardial/transmural verteilt. Die Befunde steuern direkt die Entscheidung für oder gegen eine Revaskularisation.
Wann? – Indikation
Zentrale Fragestellungen bei Verdacht auf KHK bzw. ischämische Kardiomyopathie sind die Unterscheidung von Vitalität vs. Narbe, die Bestimmung der Infarktgröße und die Frage, ob eine ischämische Kardiomyopathie vorliegt.
Warum? – Klinische Konsequenzen
Die Befunde beeinflussen unmittelbar die Therapieentscheidung:
- Revaskularisation ja/nein
- Prognoseeinschätzung
Wie & Was? – Diagnostik und Befunde
Die Diagnostik stützt sich auf drei Bausteine:
- Funktion: Globale Funktion & territoriale Wandbewegungsstörungen (WBS)
- Stress-Perfusion: Nachweis einer induzierbaren Ischämie (Ischämienachweis) unter pharmakologischem Stress (Adenosin oder Regadenoson)
- LGE-Pattern: koronarterritorial verteilt, subendokardial bis transmural
Für Therapiesteuerung und Prognose sind Vitalität bzw. Narbe, die Revaskularisationsindikation sowie Narbengröße und Funktion entscheidend. Die 2024 ESC-Leitlinie zum chronischen Koronarsyndrom (CCS) bildet hierfür den aktuellen Rahmen.
Laut Abanador-Kamper et al. (2026) erkennt die Kardio-MRT Ischämie, Narben und mikrovaskuläre Störungen präzise, ermöglicht eine zuverlässige Risikostratifizierung und unterstützt Therapieentscheidungen wie Revaskularisation oder medikamentöse Anpassung. Moderne quantitative Perfusionsverfahren und KI-basierte Analysen erhöhen die diagnostische Genauigkeit zusätzlich.
Besonderheiten bei Frauen
Frauen mit Angina pectoris haben seltener eine fokale Koronarstenose als Männer, dafür häufiger eine koronare mikrovaskuläre Dysfunktion (INOCA/ANOCA) – Schätzungen gehen von 34–66 % bei Frauen mit ischämischen Symptomen und unauffälliger Koronarangiographie aus. Die spontane Koronardissektion (SCAD) betrifft fast ausschließlich Frauen; hier kann die Kardio-MRT ischämische von nicht-ischämischen LGE-Mustern unterscheiden. Auch die Takotsubo-Kardiomyopathie – zu rund 90 % postmenopausale Frauen betreffend – wird zunächst häufig als Infarkt fehlgedeutet; das Fehlen von LGE ist das entscheidende Unterscheidungsmerkmal.
Verwandte Themen
Cine – Funktion & Morphologie Stress-Perfusion LGE – Late Gadolinium Enhancement Kardiomyopathien (Differenzialdiagnose) Mikrovaskuläre Dysfunktion (INOCA/ANOCA)
Über die Autorin
Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper ist Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie und Sprecherin der Arbeitsgruppe 21 (Magnetresonanztomographie) der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und zertifiziert als DGK Level 3 sowie SCMR Level III für kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie. Zudem verfügt sie über umfangreiche klinische Erfahrung als Leiterin der kardiologischen Notaufnahme und Chest Pain Unit. Ihre wissenschaftlichen Publikationen rund um Herzbildgebung und Kardio-MRT finden Sie auf PubMed.
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