Kardiomyopathien im Kardio-MRT


Kurz & knapp

Die Kardio-MRT ermöglicht die morphologische Phänotypisierung von Kardiomyopathien (z. B. hypertroph vs. dilatativ) sowie die Funktionsbeurteilung. Das LGE-Muster liefert dabei einen zentralen Prognosefaktor und unterstützt die Differenzialdiagnose.

Wann? – Indikation

Kardiomyopathien zählen neben KHK und Myokarditis zu den drei Top-Indikationen der Kardio-MRT. Im Vordergrund stehen die morphologische Phänotypisierung (z. B. hypertrophe vs. dilatative Kardiomyopathie) und die Funktionsbeurteilung.

Was? – Befunde nach Subtyp

Schematische Wandgeometrie der kardiomyopathischen Phänotypen im Kurzachsenschnitt: normaler linker Ventrikel, dilatative Kardiomyopathie (DCM) und hypertrophe Kardiomyopathie (HCM)
Abb.: Schematische Wandgeometrie der wichtigsten kardiomyopathischen Phänotypen im Kurzachsenschnitt – morphologische Referenz für die Einordnung von DCM und HCM in der Kardio-MRT.

Dilatative Kardiomyopathie (DCM)

  • Hohe Dunkelziffer, wird häufig im Screening entdeckt
  • Primäre (idiopathische) und sekundäre Formen (entzündlich, toxisch, endokrin)
  • LGE als Prognosefaktor: häufig mid-wall lokalisiert, wichtig zur Differenzialdiagnose gegenüber der ischämischen Kardiomyopathie

Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM)

  • Häufigste genetische kardiale Erkrankung, häufig bei jungen Männern mit familiärer Häufung
  • LGE als Prognosefaktor: klassisch fokal, fleckig, oft mit Bezug zu den Papillarmuskeln

Der Übersichtsartikel von Abanador-Kamper et al. (2026) ordnet dem auch die arrhythmogene und die restriktive Kardiomyopathie zu: Auch hier erlaubt die Kardio-MRT eine präzise Ätiologiezuordnung und liefert prognostisch relevante Parameter.

Besonderheiten bei Frauen

Die Peripartum-Kardiomyopathie ist eine eigenständige, auf das letzte Schwangerschaftsdrittel und die ersten postpartalen Monate begrenzte Kardiomyopathie. In der Kardio-MRT ist der LGE-Nachweis prognostisch bedeutsam: Betroffene mit LGE erholen sich seltener vollständig als jene ohne. Auch die Takotsubo-Kardiomyopathie gehört in die erweiterte Differenzialdiagnose. Bei genetischen Kardiomyopathien wie der HCM zeigt sich zudem eine geschlechtsabhängige Penetranz: Frauen werden im Mittel später und mit fortgeschritteneren Befunden diagnostiziert als Männer.

Alle Themen im Überblick: Kardio-MRT bei Frauen →

Abb.: Diagnostischer Grundalgorithmus der Kardio-MRT – von der klinischen Fragestellung über Funktion, Mapping und LGE zur Diagnose und therapeutischen Konsequenz. Klinische Fragestellung Erstdiagnose / Verlaufskontrolle Kardiomyopathie Kardio-MRT Funktion DCM: EF ↓, Dilatation HCM: Hypertrophie ± Obstruktion Mapping ECV ↑ (DCM, diffus) T1 nativ ↑ (HCM, fokal) LGE DCM: mid-wall-septal HCM: fokal, RV-Insertion Diagnose Dilatative / Hypertrophe Kardiomyopathie DD: ischämische CMP, Speicherkrankheit Klinische Konsequenz Herzinsuffizienztherapie ICD-Risikostratifizierung Familienscreening (genetisch) herzbildgebung.nrw
Abb.: Diagnostischer Grundalgorithmus der Kardio-MRT – von der klinischen Fragestellung über Funktion, Mapping und LGE zur Diagnose und therapeutischen Konsequenz.
Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Sprecherin der DGK-Arbeitsgruppe 21 (Kardio-MRT)

Über die Autorin

Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper ist Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie und Sprecherin der Arbeitsgruppe 21 (Magnetresonanztomographie) der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und zertifiziert als DGK Level 3 sowie SCMR Level III für kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie. Zudem verfügt sie über umfangreiche klinische Erfahrung als Leiterin der kardiologischen Notaufnahme und Chest Pain Unit. Ihre wissenschaftlichen Publikationen rund um Herzbildgebung und Kardio-MRT finden Sie auf PubMed.

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