Kardio-MRT bei Device-Trägern


Kurz & knapp

Ein Herzschrittmacher oder ICD ist heute kein grundsätzliches Ausschlusskriterium mehr für eine Kardio-MRT. Unter Beachtung der Voraussetzungen aus der aktuellen DGK-Empfehlung (2025) und angepasster Sequenzprotokolle lässt sich die Untersuchung bei den meisten Device-Trägern sicher durchführen.

Das Dilemma: diagnostische Unterversorgung von Device-Trägern

Die Zahl implantierter Herzschrittmacher und ICD steigt kontinuierlich, während die Kardio-MRT als Referenzstandard der Gewebecharakterisierung historisch lange als bei diesen Patient:innen kontraindiziert galt. Die Folge: Ein wachsender Anteil kardiologischer Patient:innen blieb von einer präzisen MRT-basierten Diagnostik ausgeschlossen – obwohl gerade bei Device-Trägern häufig eine strukturelle Herzerkrankung zugrunde liegt, die von der Gewebecharakterisierung besonders profitieren würde.

Aktueller Stand: Kardio-MRT ist möglich

Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine kardiale MRT bei Patient:innen mit Herzschrittmachern und ICD heute möglich und sicher – sowohl bei MRT-bedingt zugelassenen („MR-conditional“) als auch bei nicht getesteten („Legacy“-)Systemen, sofern die Vorgaben der aktuellen DGK-Empfehlung eingehalten werden. Grundlage sind ein strukturiertes Voruntersuchungs-Screening, eine geräteseitige Umprogrammierung vor und nach der Untersuchung sowie eine kontinuierliche Überwachung während der Messung. CMR-Untersuchungen bei Device-Trägern sollten in erfahrenen Zentren mit entsprechender personeller und technischer Ausstattung sowie enger Abstimmung zwischen Kardiologie und Radiologie erfolgen.

Sequenzanpassungen

Das Device und seine Sonden verursachen Suszeptibilitätsartefakte, die insbesondere die Perfusionsbildgebung beeinträchtigen können. Zur Reduktion dieser Artefakte kommen angepasste Auslesetechniken zum Einsatz: Gradientenecho-(GRE)-basierte Perfusionssequenzen sind gegenüber bSSFP-Readouts deutlich weniger artefaktanfällig und werden bei Device-Trägern bevorzugt eingesetzt, auch wenn dies mit einem gewissen Kompromiss beim Signal-Rausch-Verhältnis einhergeht. Auch für LGE- und Cine-Sequenzen existieren etablierte, artefaktreduzierende Protokollanpassungen.

Voraussetzungen

  • Vorabklärung von Devicetyp, Elektrodenkonfiguration und MR-Konditionalität
  • Geräteseitige Umprogrammierung unmittelbar vor und nach der Untersuchung durch geschultes Personal
  • Kontinuierliches Monitoring (EKG, Pulsoxymetrie) während der gesamten Untersuchung
  • Einsatz artefaktreduzierender Sequenzprotokolle (bevorzugt GRE-Perfusion)
  • Durchführung in einem in der Device-CMR erfahrenen Zentrum
Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Sprecherin der DGK-Arbeitsgruppe 21 (Kardio-MRT)

Über die Autorin

Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper ist Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie und Sprecherin der Arbeitsgruppe 21 (Magnetresonanztomographie) der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und zertifiziert als DGK Level 3 sowie SCMR Level III für kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie. Zudem verfügt sie über umfangreiche klinische Erfahrung als Leiterin der kardiologischen Notaufnahme und Chest Pain Unit. Ihre wissenschaftlichen Publikationen rund um Herzbildgebung und Kardio-MRT finden Sie auf PubMed.

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