Kardiale Raumforderungen (Tumoren & Thromben) im Kardio-MRT


Kurz & knapp

Kardiale Raumforderungen sind selten und werden meist zufällig echokardiographisch entdeckt. Die Kardio-MRT ist aufgrund ihrer überlegenen Gewebecharakterisierung die zentrale Methode zur Unterscheidung zwischen Thrombus, benignem Tumor und Malignität – und damit häufig entscheidend für die weitere Therapieplanung.

Hintergrund

Primäre Herztumoren sind mit einer Prävalenz von etwa 0,02 % in Autopsiestudien selten; sekundäre Tumoren (Metastasen anderer Malignome) sind rund 20-mal häufiger als primäre Tumoren. Unter den primären Tumoren ist das Myxom mit 25–50 % der häufigste benigne Befund im Erwachsenenalter, gefolgt von Lipom und Fibroelastom. Deutlich häufiger als echte Tumoren sind jedoch intrakardiale Thromben, insbesondere bei Vorhofflimmern, dilatativer Kardiomyopathie oder nach transmuralem Myokardinfarkt mit apikalem Aneurysma.

Typische Lokalisationen kardialer Raumforderungen im schematischen 4-Kammer-Blick
Abb.: Typische Lokalisationen kardialer Raumforderungen im schematischen 4-Kammer-Blick (RA = rechter Vorhof, LA = linker Vorhof, RV = rechter Ventrikel, LV = linker Ventrikel).

Wann? – Indikation

Eine Kardio-MRT ist indiziert bei echokardiographisch unklarer intrakardialer Raumforderung, bei der Differenzierung Thrombus versus Tumor (z. B. bei Vorhofflimmern, dilatativer Kardiomyopathie oder Apex-Aneurysma nach Infarkt), zur Abgrenzung einer echten Raumforderung von einer Pseudomasse (z. B. prominenter Warzenmuskel, Chiari-Netzwerk) sowie im Rahmen des Tumorstagings bei Verdacht auf kardiale Metastasierung.

Wie? – MRT-Protokoll

Das Protokoll kombiniert Cine-Sequenzen zur Beurteilung von Größe, Mobilität und Anheftung mit T1- und T2-gewichteten Turbo-Spin-Echo-Sequenzen zur Gewebecharakterisierung. Entscheidend sind die First-Pass-Perfusion und die LGE-Bildgebung mit einer zusätzlichen Long-TI-Sequenz zur sicheren Abgrenzung avaskulärer Thromben.

Was? – Typische Befunde

Thromben sind avaskulär und zeigen auch bei später Inversionszeit kein Enhancement, während vaskularisierte Tumoren ein deutliches Kontrastmittel-Enhancement aufweisen – ein Kriterium mit einer publizierten Genauigkeit von rund 99 %. Morphologisch sind Thromben in der Regel kleiner, homogener und weniger mobil als Tumoren. Myxome zeigen charakteristisch deutlich erhöhte native T1- und T2-Relaxationszeiten sowie ein erhöhtes ECV gegenüber dem umgebenden Myokard. Eine aktuelle multizentrische Verlaufsstudie zeigte, dass die CMR-Diagnose das klinische Management maßgeblich beeinflusst – bei ausgeschlossener oder als Pseudomasse identifizierter Raumforderung kann auf weiterführende Diagnostik verzichtet werden.

EntitätTypische Merkmale in der Kardio-MRTLokalisation
Benigne primäre Herztumoren
Myxom (≈ 50 %)
  • Meist LA, Fossa ovalis
  • Heterogenes T1/T2-Signal
  • Kontrastmittelaufnahme
  • Häufig gestielt, mobil
LA (Septum)
Papilläres Fibroelastom (≈ 10 %)
  • Kleine, zarte, papilläre Läsion
  • Isointens, diskrete KM-Aufnahme
  • Sehr mobil
Klappen
Fibrom (≈ 5 %)
  • T1 niedrig, T2 niedrig
  • Keine oder geringe KM-Aufnahme
v. a. LV (Kindesalter)
Lipom (< 5 %)
  • Sehr hell in T1 (Fett)
  • Fettsättigung positiv
  • Keine KM-Aufnahme
Vorhöfe / LV
Maligne primäre Herztumoren
Angiosarkom (≈ 20 %)
  • Meist RA, infiltrativ
  • Heterogen, Nekrosen
  • Starke KM-Aufnahme
RA
Undifferenziertes Sarkom (≈ 10 %)
  • Groß, infiltrativ
  • Heterogene KM-Aufnahme
  • Perikarderguss häufig
Variabel
Sekundäre Tumoren / Metastasen
Metastasen (> 75 % (aller kardialen Tumoren))
  • Multipel
  • Heterogene KM-Aufnahme
  • Perikard / Epikard häufig
Perikard, Epikard, Myokard
Pseudotumoren / nicht-neoplastische Läsionen
Thrombus (–)
  • T1/T2 niedrig
  • Keine KM-Aufnahme
  • Häufig lamelliert, anechogen
  • An Vorhofohr / Akinese
LA, LV
Fett-Ablagerungen (–)
  • Helles T1-Signal
  • Fettsättigung positiv
  • Keine KM-Aufnahme
Septum, Epikard

Differenzialdiagnosen

Die zentrale Differenzierung erfolgt zwischen Tumor, Thrombus und Pseudomasse (z. B. prominenter Warzenmuskel, Chiari-Netzwerk); das Kontrastmittel-Enhancement trennt den vaskularisierten Tumor vom avaskulären Thrombus.

Warum? – Klinische Konsequenzen

Die CMR-Diagnose steuert unmittelbar das weitere Vorgehen:

  • Operationsindikation bei symptomatischem oder embolisch relevantem Myxom
  • Einleitung bzw. Intensivierung einer Antikoagulation bei nachgewiesenem Thrombus
  • Vermeidung invasiver Diagnostik bei eindeutiger Pseudomasse oder benignem Befund
  • Planung von Biopsie oder systemischer Therapie bei Malignitätsverdacht
Abb.: Diagnostischer Grundalgorithmus der Kardio-MRT – von der klinischen Fragestellung über Funktion, Mapping und LGE zur Diagnose und therapeutischen Konsequenz. Klinische Fragestellung Abklärung kardiale Raumforderung Kardio-MRT Funktion Größe, Mobilität, Anheftung (Cine-Sequenzen) Mapping T1/T2 ↑ bei vitalem Tumorgewebe kein Signal bei Thrombus LGE Positiv: vaskularisierter Tumor Negativ: avaskulärer Thrombus Diagnose Tumor vs. Thrombus DD: Pseudomasse (z. B. Chiari-Netzwerk) Klinische Konsequenz OP-Indikation (z. B. Myxom) Antikoagulation (Thrombus) Biopsie bei Malignitätsverdacht herzbildgebung.nrw
Abb.: Diagnostischer Grundalgorithmus der Kardio-MRT – von der klinischen Fragestellung über Funktion, Mapping und LGE zur Diagnose und therapeutischen Konsequenz.

Quick Reference

IndikationAbklärung unklarer kardialer Raumforderung (Thrombus vs. Tumor)
Wichtigste SequenzenCine · T1/T2-TSE · First-Pass-Perfusion · LGE (Long-TI)
Typischer BefundTumor mit KM-Enhancement (T1/T2 ↑) vs. avaskulärer, nicht anreichernder Thrombus
Wichtigstes DifferenzialPseudomasse (z. B. Chiari-Netzwerk, prominenter Warzenmuskel)
Klinische KonsequenzOP (z. B. Myxom), Antikoagulation (Thrombus), Biopsie bei Malignitätsverdacht
Merkefehlendes Enhancement bei später TI → Thrombus (~99 %)
Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Sprecherin der DGK-Arbeitsgruppe 21 (Kardio-MRT)

Über die Autorin

Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper ist Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie und Sprecherin der Arbeitsgruppe 21 (Magnetresonanztomographie) der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und zertifiziert als DGK Level 3 sowie SCMR Level III für kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie. Zudem verfügt sie über umfangreiche klinische Erfahrung als Leiterin der kardiologischen Notaufnahme und Chest Pain Unit. Ihre wissenschaftlichen Publikationen rund um Herzbildgebung und Kardio-MRT finden Sie auf PubMed.

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