Cine – Funktion & Morphologie


Kurz & knapp

Cine-Sequenzen (balanced-SSFP) bilden den Herzzyklus in hoher zeitlicher und räumlicher Auflösung ab und sind Grundlage jeder Kardio-MRT-Untersuchung. Aus ihnen werden Volumina, Ejektionsfraktion, Myokardmasse und regionale Wandbewegung bestimmt – der Referenzstandard der kardialen Volumetrie.

Wie – Technik

Cine-Aufnahmen nutzen eine balanced-Steady-State-Free-Precession (bSSFP)-Sequenz, die den Herzzyklus retrospektiv oder prospektiv EKG-getriggert in 20–30 Phasen pro Herzschlag rekonstruiert; die Akquisition erfolgt in kurzen Atemanhaltephasen je Schicht. Eine vollständige Volumetrie erfordert einen lückenlosen Kurzachsenstapel vom Mitralklappenring bis zur Herzspitze sowie ergänzende Lang-Achsen-Ebenen (2-, 3- und 4-Kammerblick). Aus der Konturierung von Endo- und Epikard in Enddiastole und Endsystole errechnen sich Volumina und Myokardmasse, aus deren Differenz das Schlagvolumen und die Ejektionsfraktion.

Schematische Darstellung der Cine-Volumetrie im Vierkammerblick und in der Kurzachse: Enddiastole und Endsystole als Grundlage für Schlagvolumen (SV = EDV minus ESV) und Ejektionsfraktion
Abb.: Volumetrische Auswertung der Cine-Bildgebung im Vierkammerblick und in der Kurzachse: Aus der Konturierung von Enddiastole (ED) und Endsystole (ES) errechnen sich die Ventrikelvolumina, aus deren Differenz das Schlagvolumen (SV = EDV − ESV) und die Ejektionsfraktion.

Was – Befundinterpretation

Die Cine-Bildgebung liefert die Referenzwerte für links- und rechtsventrikuläres enddiastolisches und endsystolisches Volumen, Ejektionsfraktion und Myokardmasse sowie die segmentale Wandbewegung nach dem 17-Segment-Modell der American Heart Association. Regionale Wandbewegungsstörungen (Hypokinesie, Akinesie, Dyskinesie) innerhalb eines koronaren Versorgungsgebiets sprechen für eine ischämische Genese, während eine globale Funktionseinschränkung eher auf eine Kardiomyopathie hinweist. Ergänzend lässt sich aus denselben Cine-Bildern per Feature-Tracking der myokardiale Strain (longitudinal, zirkumferenziell, radial) ableiten, der subklinische Funktionsstörungen bereits vor einem Abfall der Ejektionsfraktion aufdecken kann.

Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Sprecherin der DGK-Arbeitsgruppe 21 (Kardio-MRT)

Über die Autorin

Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper ist Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie und Sprecherin der Arbeitsgruppe 21 (Magnetresonanztomographie) der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und zertifiziert als DGK Level 3 sowie SCMR Level III für kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie. Zudem verfügt sie über umfangreiche klinische Erfahrung als Leiterin der kardiologischen Notaufnahme und Chest Pain Unit. Ihre wissenschaftlichen Publikationen rund um Herzbildgebung und Kardio-MRT finden Sie auf PubMed.

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