Klappenvitien im Kardio-MRT


Kurz & knapp

Bei Klappenvitien bleibt die Echokardiographie die Basisdiagnostik. Die Kardio-MRT misst Ventrikelvolumina und Regurgitation direkt (Phasenkontrast) und entscheidet bei Diskrepanzen zwischen Echo und Klinik, bei schlechtem Schallfenster und zur Mitbeurteilung von Myokardschaden und Aorta.

Hintergrund

Die Echokardiographie bleibt Basis der Klappendiagnostik. Die Kardio-MRT gilt als Referenzstandard für Ventrikelvolumina und die Quantifizierung von Regurgitationen. Die Interventionsschwellen der ESC/EACTS-Leitlinie 2025 beruhen überwiegend auf echokardiographischen Werten; CMR-Volumina liegen systematisch höher und dürfen nicht 1:1 auf diese Grenzwerte übertragen werden.

Wann? – Indikation

Die Kardio-MRT ist sinnvoll bei schlechtem Schallfenster, bei Diskrepanz zwischen Echo und Klinik, zur Quantifizierung von Aorten-, Mitral-, Pulmonal- und Trikuspidalinsuffizienz, zur Bestimmung der RV-Volumina bei Trikuspidalinsuffizienz und zur Mitbeurteilung der Aorta bei bikuspider Klappe.

Wie? – MRT-Protokoll

Das Protokoll kombiniert Funktions-, Fluss- und Gewebediagnostik:

  • Cine einschließlich Klappenebenen: Morphologie und Funktion
  • Phasenkontrast in Aorta und Pulmonalis: Vorwärts- und Rückwärtsfluss
  • Volumetrie beider Ventrikel
  • Late Gadolinium Enhancement (LGE), ggf. ECV: Myokardschaden

Was? – Typische Befunde

Typische Befunde je Klappe:

  • Aorteninsuffizienz: Regurgitationsfraktion direkt aus dem Fluss; holodiastolischer Rückfluss in der Aorta descendens
  • Mitralinsuffizienz: Regurgitationsvolumen = linksventrikuläres Schlagvolumen − Aortenvorwärtsfluss
  • Aortenstenose: Planimetrie der Klappenöffnung, Morphologie (z. B. bikuspide Klappe); LGE und ECV als Zeichen eines Myokardschadens
  • Trikuspidalinsuffizienz: Volumina des rechten Ventrikels
  • Plausibilität: Volumetrie und Flussmessung müssen zusammenpassen
Abb.: Diagnostischer Grundalgorithmus der Kardio-MRT bei Klappenvitien – von der Arbeitsdiagnose über Funktion, Fluss und LGE zur Diagnose und therapeutischen Konsequenz. Klinische Fragestellung V. a. Klappenvitium: Echo unklar oder diskrepant Kardio-MRT Funktion LV-/RV-Volumina, Ejektionsfraktion, Klappenmorphologie Fluss Phasenkontrast: Vorwärts-/Rückwärtsfluss Regurgitationsvolumen, -fraktion LGE Myokardschaden bei Aortenstenose und -insuffizienz (LGE, ECV) Diagnose (Ursache) Klappenvitium, Schweregrad DD: Shunt, DCM mit sek. Mitralinsuff. Klinische Konsequenz Zeitpunkt für OP/Intervention Heart-Team Aorta mitbeurteilen herzbildgebung.nrw
Abb.: Diagnostischer Grundalgorithmus der Kardio-MRT bei Klappenvitien – von der Arbeitsdiagnose über Funktion, Fluss und LGE zur Diagnose und therapeutischen Konsequenz.

Differenzialdiagnosen

Abzugrenzen sind ein Shunt mit Volumenbelastung des rechten Ventrikels und die dilatative Kardiomyopathie mit sekundärer Mitralinsuffizienz (vgl. Kardiomyopathien). Entscheidend ist die Frage, ob primär der Ventrikel oder die Klappe erkrankt ist.

Warum? – Klinische Konsequenzen

Schweregrad und Ventrikelfunktion bestimmen das weitere Vorgehen:

  • Schweregrad der Insuffizienz zusammen mit Ventrikeldilatation und -funktion bestimmen den Zeitpunkt für Operation oder Intervention (Heart-Team)
  • LGE und ECV bei Aortenstenose und Aorteninsuffizienz zeigen einen Myokardschaden an und sind prognostisch ungünstig
  • Bei bikuspider Klappe wird die Aorta mitbeurteilt und weiter überwacht

Quick Reference

IndikationUnklares Echo, Diskrepanz zwischen Echo und Klinik, Quantifizierung der Regurgitation
Zeitpunktbei Diskrepanz oder unklarer Quantifizierung; Verlauf nach Schweregrad, gleiche Methode
Wichtigste SequenzenCine · Phasenkontrast · Volumetrie · LGE
Typischer BefundRegurgitationsvolumen und -fraktion, Ventrikelvolumina, Klappenmorphologie
Wichtigstes DifferenzialShunt mit Volumenbelastung, DCM mit sekundärer Mitralinsuffizienz
Klinische KonsequenzZeitpunkt für Operation oder Intervention (Heart-Team)
MerkeCMR misst Volumina und Regurgitation am genauesten – Echo-Grenzwerte nicht 1:1 übertragen
Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Sprecherin der DGK-Arbeitsgruppe 21 (Kardio-MRT)

Über die Autorin

Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper ist Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie und Sprecherin der Arbeitsgruppe 21 (Magnetresonanztomographie) der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und zertifiziert als DGK Level 3 sowie SCMR Level III für kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie. Zudem verfügt sie über umfangreiche klinische Erfahrung als Leiterin der kardiologischen Notaufnahme und Chest Pain Unit. Ihre wissenschaftlichen Publikationen rund um Herzbildgebung und Kardio-MRT finden Sie auf PubMed.

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