Kardiale Sarkoidose im Kardio-MRT
Kurz & knapp
Die kardiale Sarkoidose ist eine granulomatöse Infiltration des Myokards im Rahmen einer Systemerkrankung, die sich durch Erregungsleitungsstörungen, ventrikuläre Arrhythmien und Herzinsuffizienz manifestieren kann. Da der Befall oft fleckförmig und diskontinuierlich auftritt, ist die Kardio-MRT das zentrale bildgebende Verfahren zur nichtinvasiven Diagnosesicherung.
Hintergrund
Sarkoidose ist eine Multisystem-Granulomatose unklarer Ätiologie. Eine klinisch manifeste kardiale Beteiligung liegt bei rund 5 % der Patienten vor, autoptisch bzw. bildgebend lässt sie sich jedoch deutlich häufiger – bei bis zu 25 % – nachweisen. Das Ausmaß der kardialen Beteiligung korreliert dabei nicht zwingend mit der pulmonalen oder extrakardialen Manifestation.
Wann? – Indikation
Eine Kardio-MRT ist indiziert bei ungeklärtem höhergradigem AV-Block oder ventrikulären Tachykardien bei Patienten <60 Jahre sowie bei bekannter extrakardialer Sarkoidose mit kardialen Symptomen oder im Rahmen eines strukturierten Screenings. Nach aktuellem AHA-Statement sollte eine kardiale Mitbeteiligung bei gesicherter Systemerkrankung aktiv gesucht werden, da sie klinisch häufig unterschätzt wird.
Warum? – Klinische Konsequenzen
Der Befund hat unmittelbare therapeutische und prognostische Konsequenzen:
- Indikation zur immunsuppressiven Therapie (Kortikosteroide als First-line)
- Risikostratifizierung für plötzlichen Herztod und ICD-Indikation
- Serielle Verlaufskontrolle des Therapieansprechens
Wie & Was? – Diagnostik und Befunde
Charakteristisch ist ein fleckiges, multifokales LGE, bevorzugt im basalen bis midventrikulären Septum und der freien Wand, das – anders als bei ischämischer Genese – nicht den Koronarterritorien folgt. Ergänzend zeigen T2-gewichtete Sequenzen bzw. T2-Mapping die aktive Entzündungskomponente (Ödem) an, während natives T1 und ECV die diffuse Infiltration quantifizieren. Bei unklarer entzündlicher Aktivität oder Kontraindikation gegen Kontrastmittel liefert eine ergänzende FDG-PET/CT komplementäre Information.
Die 2023 ESC-Leitlinie zu Kardiomyopathien empfiehlt die Kardio-MRT sowohl bei Diagnosestellung als auch zur seriellen Verlaufskontrolle (Klasse IIa). Auch im Übersichtsartikel von Abanador-Kamper et al. (2026) wird die zentrale Rolle der Gewebecharakterisierung mittels LGE und Mapping bei infiltrativen und entzündlichen Kardiomyopathien hervorgehoben.
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Über die Autorin
Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper ist Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie und Sprecherin der Arbeitsgruppe 21 (Magnetresonanztomographie) der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK). Zudem verfügt sie über umfangreiche klinische Erfahrung als Leiterin der kardiologischen Notaufnahme und Chest Pain Unit. Ihre wissenschaftlichen Publikationen rund um Herzbildgebung und Kardio-MRT finden Sie auf PubMed.
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