Myokarditis im Kardio-MRT


Kurz & knapp

Die Myokarditis ist ein inflammatorisches myoperikardiales Syndrom (IMPS) mit Verlauf zwischen kompletter Remission und irreversibler Narbe, betrifft hauptsächlich jüngere männliche Patienten und zählt zu den drei häufigsten Indikationen für eine Kardio-MRT. Die Diagnostik stützt sich klassischerweise auf Mid-Wall-LGE und Myokardödem, ergänzt durch T1- und T2-Mapping nach den aktualisierten Lake-Louise-Kriterien. Die Kardio-MRT beurteilt zugleich die perikardiale Beteiligung (Perikarditis, Myoperikarditis).

Hintergrund

Die Myokarditis wird als inflammatorisches myoperikardiales Syndrom (IMPS) beschrieben. Der Verlauf reicht von kompletter Remission bis zu irreversibler Narbenbildung. Betroffen sind hauptsächlich jüngere männliche Patienten. IMPS ist der Oberbegriff der ESC-Leitlinie 2025 für Myokarditis, Perikarditis und ihre Überlappung (Myoperikarditis) und gilt als Arbeitsdiagnose, bis eine spezifischere Diagnose gestellt ist. Eine Perikarditis kann isoliert auftreten, das Myokard einbeziehen oder eine Myokarditis begleiten. Entscheidend ist, ob das Myokard beteiligt ist, denn davon hängen Risiko, Therapieintensität und die Freigabe zu körperlicher Belastung ab.

Wann? – Indikation

Myokarditis gehört neben koronarer Herzkrankheit und Kardiomyopathien zu den drei Top-Indikationen für die Kardio-MRT, jeweils mit prominenter Position in aktuellen Leitlinien. Typische Fragestellung ist die Diagnosesicherung anhand der Lake-Louise-Kriterien mittels T1- und T2-Mapping. Bei Perikarditis ist die Kardio-MRT empfohlen, wenn sich die Diagnose klinisch nicht sichern lässt – etwa bei rezidivierendem oder unklarem Verlauf, unklarem Perikarderguss, Begleitmyokarditis oder Verdacht auf Konstriktion (ESC 2025: Klasse I, Evidenzgrad B). Die diagnostische Genauigkeit ist in den ersten zwei Wochen nach Symptombeginn am höchsten; bei Myokarditis unterscheidet eine Kontrolle innerhalb von 6 Monaten (Klasse I, Evidenzgrad B) ausgeheilte von fortbestehender Erkrankung.

Wie? – MRT-Protokoll

Das Protokoll umfasst Cine-Sequenzen zur Funktionsbeurteilung, T2-Mapping zum Ödemnachweis, T1-Mapping inklusive Extrazellularvolumen (ECV) sowie Late Gadolinium Enhancement (LGE) – zusammen bilden sie die Grundlage der aktualisierten Lake-Louise-Kriterien. Für das Perikard kommen T2-gewichtete Sequenzen mit Fettsättigung (T2-STIR) und LGE hinzu; bei Verdacht auf Konstriktion zusätzlich Cine in freier Atmung (Echtzeit-Cine) zur Beurteilung der Septumbewegung.

Was? – Typische Befunde

Klassischerweise zeigt sich ein subepikardial bzw. mid-wall betontes LGE (typischerweise inferolateral) gemeinsam mit einem Myokardödem; T1 nativ und T2 sind erhöht, das ECV ist gesteigert. Die kardiale MRT ist damit zentraler Bestandteil der neuen ESC-Leitlinie 2025 zu Myokarditis und Perikarditis.

Auch im Übersichtsartikel von Abanador-Kamper et al. (2026) wird hervorgehoben, dass die Kardio-MRT bei entzündlichen Myo- und Perikarderkrankungen mit Mapping-Techniken und LGE die Basis einer differenzierten Diagnostik und Prognoseeinschätzung bildet.

Perikard: Typisch sind eine Verdickung (normal ≤ 2 mm, ≥ 4 mm pathologisch), ein Ödem (erhöhtes T2-Signal), perikardiales LGE als Zeichen aktiver Entzündung und ein Perikarderguss. Eine Konstriktion zeigt sich als verdicktes oder starres Perikard mit Septumverschiebung zum linken Ventrikel bei Inspiration (Septal Bounce), röhrenförmigen Ventrikeln und dilatierten Vorhöfen und V. cava. Eine normale Perikarddicke schließt eine Konstriktion nicht aus.

Risikozeichen: Hohes Risiko besteht bei ausgedehntem LGE (≥ 2 Segmente), reduzierter LVEF, Erguss mit Tamponadezeichen oder ausgedehntem perikardialem LGE; niedriges Risiko bei minimalem LGE (< 2 Segmente), normaler LVEF, keinem oder kleinem stabilem Erguss und Rückbildung des Ödems im Verlauf.

Differenzialdiagnosen

Wichtigste Differenzialdiagnosen sind das Takotsubo-Syndrom und die koronare Herzkrankheit. Peripartal ist zusätzlich die Abgrenzung zur Peripartum-Kardiomyopathie relevant – beide Entitäten können koexistieren. Bei akutem Troponinanstieg ohne relevante Koronarstenose erfolgt die Abklärung im Rahmen der Arbeitsdiagnose MINOCA. Bei perikardialer Beteiligung sind zusätzlich die restriktive Kardiomyopathie (Myokard pathologisch, Perikard normal, keine respiratorische Interdependenz; vgl. Kardiale Amyloidose) und Perikardtumoren oder -metastasen (knotig, kontrastmittelaufnehmend, infiltrierend; vgl. Kardiale Raumforderungen) abzugrenzen.

Warum? – Klinische Konsequenzen

Vom Befund zur Entscheidung: Die Kardio-MRT sichert die Diagnose (Lake-Louise-Kriterien), erlaubt eine Prognoseabschätzung und steuert unmittelbar das weitere Vorgehen:

  • Indikation zur Immunsuppression
  • Entscheidung Sportkarenz vs. „Back to play“
  • CMR-Verlaufskontrolle
  • Risikostratifizierung anhand von LGE-Ausdehnung, LVEF und Erguss
  • Perikarditis: Perikard-LGE und Ödem zeigen aktive Entzündung an; fehlendes LGE bei Rezidiv spricht für geringe Aktivität
  • Konstriktion mit Entzündung kann sich unter Therapie zurückbilden; eine chronische Konstriktion ohne Entzündung wird chirurgisch diskutiert

Besonderheiten bei Frauen

Autoimmunerkrankungen mit kardialer Beteiligung (z. B. systemischer Lupus erythematodes) betreffen überproportional Frauen und können sich als lymphozytäre Myokarditis manifestieren. Seltener tritt eine Myokarditis auch peripartal auf und muss dann von der Peripartum-Kardiomyopathie abgegrenzt werden – beide Entitäten können koexistieren.

Alle Themen im Überblick: Kardio-MRT bei Frauen →

Abb.: Diagnostischer Grundalgorithmus der Kardio-MRT – von der klinischen Fragestellung über Funktion, Mapping und LGE zur Diagnose und therapeutischen Konsequenz. Klinische Fragestellung V. a. Myokarditis Kardio-MRT Funktion Regionale/globale WBS oft erhaltene Ejektionsfraktion Mapping T1 nativ ↑, T2 ↑ (Ödem) ECV ↑ (Lake-Louise-Kriterien) LGE Subepikardial / mid-wall, typischerweise inferolateral Diagnose Akute / chronische Myokarditis DD: Takotsubo-Syndrom, KHK Klinische Konsequenz Körperliche Schonung CMR-Verlaufskontrolle ggf. Herzinsuffizienztherapie herzbildgebung.nrw
Abb.: Diagnostischer Grundalgorithmus der Kardio-MRT – von der klinischen Fragestellung über Funktion, Mapping und LGE zur Diagnose und therapeutischen Konsequenz.

Quick Reference

Indikationklinischer Verdacht auf Myokarditis bzw. Perikarditis/Myoperikarditis (IMPS)
Wichtigste SequenzenCine · T2-Mapping · T1-Mapping/ECV · LGE
Typischer BefundMyokardödem + nichtischämisches (subepikardial/mid-wall) LGE; Perikard: Verdickung, Ödem, LGE, Erguss
Wichtigstes DifferenzialTakotsubo-Syndrom, KHK
Klinische KonsequenzDiagnose & Prognose, Sportkarenz vs. Back-to-play, Verlaufskontrolle, Risikostratifizierung
MerkeLake-Louise-Kriterien
Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Sprecherin der DGK-Arbeitsgruppe 21 (Kardio-MRT)

Über die Autorin

Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper ist Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie und Sprecherin der Arbeitsgruppe 21 (Magnetresonanztomographie) der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und zertifiziert als DGK Level 3 sowie SCMR Level III für kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie. Zudem verfügt sie über umfangreiche klinische Erfahrung als Leiterin der kardiologischen Notaufnahme und Chest Pain Unit. Ihre wissenschaftlichen Publikationen rund um Herzbildgebung und Kardio-MRT finden Sie auf PubMed.

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