Kardiale Amyloidose im Kardio-MRT


Kurz & knapp

Die kardiale Amyloidose ist eine restriktive Kardiomyopathie durch extrazelluläre Ablagerung fehlgefalteter Proteine – vor allem Leichtketten (AL) oder Transthyretin (ATTR). Die Kardio-MRT liefert mit LGE und ECV-Mapping charakteristische, oft diagnoseweisende Befunde und dient zunehmend als Weichenstellung vor nuklearmedizinischer und laborchemischer Zuordnung.

Hintergrund

Man unterscheidet zwei kardiologisch relevante Hauptformen: die AL-Amyloidose (Leichtketten-vermittelt, Ausdruck einer hämatologischen Grunderkrankung) und die ATTR-Amyloidose (Wildtyp oder hereditär, gehäuft bei älteren Männern und zunehmend häufiger diagnostiziert). Beide Formen führen über eine progrediente diastolische Dysfunktion zu einer Herzinsuffizienz mit meist erhaltener Ejektionsfraktion.

Wann? – Indikation

Eine Kardio-MRT ist indiziert bei unklarer linksventrikulärer Hypertrophie, insbesondere in Kombination mit Niedervoltage im EKG, bilateralem Karpaltunnelsyndrom in der Anamnese, disproportionaler NT-proBNP-Erhöhung oder einer „Low-flow-low-gradient“-Aortenklappenstenose im höheren Lebensalter.

Wie? – MRT-Protokoll

Zentrale Sequenzen sind das native T1-Mapping und das extrazelluläre Volumen (ECV) sowie das Late Gadolinium Enhancement (LGE); als indirekter Hinweis auf die diffuse Amyloidinfiltration gilt eine gestörte Nullung des Myokards gegenüber dem Blutpool. Bei Verdacht auf ATTR-Amyloidose ergänzt eine DPD-/PYP-Knochenszintigraphie die Kardio-MRT und gilt bei fehlender monoklonaler Gammopathie gemäß ESC-Positionspapier als nicht-invasiver Goldstandard der Diagnosesicherung.

Was? – Typische Befunde

Leitbefund ist ein diffuses, meist subendokardial betontes bis transmurales LGE. Natives T1 und insbesondere das ECV sind deutlich erhöht und korrelieren mit der Amyloidlast; ECV-Werte über 40 % gelten als hochsuggestiv. Begleitend finden sich häufig eine biatriale Dilatation, eine Vorhofseptum- und Klappenverdickung sowie perikardiale Ergüsse.

Auch im Übersichtsartikel von Abanador-Kamper et al. (2026) wird die zentrale Rolle des ECV-Mappings zur Abgrenzung infiltrativer Kardiomyopathien betont.

Differenzialdiagnosen

Wichtigste Differenzialdiagnosen sind die hypertrophe Kardiomyopathie und die hypertensive Herzerkrankung; für die Amyloidose sprechen ein stark erhöhtes ECV (> 40 %), das diffuse subendokardiale bis transmurale LGE und die gestörte Myokard-Nullung.

Warum? – Klinische Konsequenzen

Vom Befund zur Entscheidung – der Nachweis hat unmittelbare diagnostische und therapeutische Konsequenzen:

  • Weichenstellung im Diagnosealgorithmus vor DPD-/PYP-Szintigraphie
  • Frühzeitiger, prognostisch entscheidender Therapiebeginn (z. B. Tafamidis bei ATTR, hämatologische Therapie bei AL)
  • Serielle Verlaufskontrolle unter spezifischer Therapie

Besonderheiten bei Frauen

Bei der transthyretin-assoziierten Amyloidose (ATTR) wird die Diagnose bei Frauen im Median rund 750 Tage nach Symptombeginn gestellt – gegenüber rund 86 Tagen bei Männern. Mitursächlich sind Diagnosekriterien (z. B. Grenzwerte für Septumdicke und LV-Masse), die nicht ausreichend an die im Mittel geringere Körpergröße von Frauen angepasst sind. Ein niedrigerer Verdachtsschwellenwert für die weiterführende Bildgebung wird daher zunehmend gefordert.

Alle Themen im Überblick: Kardio-MRT bei Frauen →

Abb.: Diagnostischer Grundalgorithmus der Kardio-MRT – von der klinischen Fragestellung über Funktion, Mapping und LGE zur Diagnose und therapeutischen Konsequenz. Klinische Fragestellung V. a. kardiale Amyloidose Kardio-MRT Funktion Konzentrische Hypertrophie diastolische Dysfunktion (HFpEF) Mapping T1 nativ stark ↑ ECV stark ↑ (> 40 %) LGE Diffus, zirkumferenziell, subendokardial bis transmural Diagnose Kardiale Amyloidose (ATTR / AL) DD: HCM, hypertensive Herzerkrankung Klinische Konsequenz Typisierung (Szintigraphie/Serum) Tafamidis (ATTR) Chemotherapie (AL) herzbildgebung.nrw
Abb.: Diagnostischer Grundalgorithmus der Kardio-MRT – von der klinischen Fragestellung über Funktion, Mapping und LGE zur Diagnose und therapeutischen Konsequenz.

Quick Reference

IndikationV. a. kardiale Amyloidose (unklare LV-Hypertrophie, HFpEF, „red flags“)
Wichtigste SequenzenCine · T1-Mapping/ECV · LGE
Typischer Befunddiffuses subendokardial–transmurales LGE; ECV stark ↑ (> 40 %); gestörte Myokard-Nullung
Wichtigstes DifferenzialHCM, hypertensive Herzerkrankung
Klinische KonsequenzTypisierung (Szintigraphie/Serum), Tafamidis (ATTR), Chemotherapie (AL)
MerkeECV > 40 % hochsuggestiv
Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Sprecherin der DGK-Arbeitsgruppe 21 (Kardio-MRT)

Über die Autorin

Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper ist Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie und Sprecherin der Arbeitsgruppe 21 (Magnetresonanztomographie) der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und zertifiziert als DGK Level 3 sowie SCMR Level III für kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie. Zudem verfügt sie über umfangreiche klinische Erfahrung als Leiterin der kardiologischen Notaufnahme und Chest Pain Unit. Ihre wissenschaftlichen Publikationen rund um Herzbildgebung und Kardio-MRT finden Sie auf PubMed.

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