Takotsubo-Syndrom im Kardio-MRT


Kurz & knapp

Das Takotsubo-Syndrom (Takotsubo-Kardiomyopathie) ist eine akute, meist reversible linksventrikuläre Funktionsstörung mit Wandbewegungsstörung über ein Koronarterritorium hinaus, typischerweise apikal. Klinisch imitiert es einen akuten Myokardinfarkt. Die Kardio-MRT sichert die Diagnose über Funktionsstörung und Myokardödem ohne relevantes LGE und grenzt Infarkt und Myokarditis ab.

Hintergrund

Das Takotsubo-Syndrom betrifft überwiegend postmenopausale Frauen. Auslöser sind häufig emotionaler oder körperlicher Stress, es kann aber auch ohne erkennbaren Auslöser auftreten. Brustschmerz, Troponinanstieg und EKG-Veränderungen entsprechen einem akuten Koronarsyndrom; die Koronarangiographie zeigt jedoch keine Stenose, die das Ausmaß der Wandbewegungsstörung erklärt. Damit ist das Takotsubo-Syndrom eine wichtige Ursache der Arbeitsdiagnose MINOCA. Die Funktionsstörung bildet sich in der Regel innerhalb von Wochen bis Monaten zurück. Eine koexistierende koronare Herzkrankheit schließt die Diagnose nicht aus.

Wann? – Indikation

Die Kardio-MRT ist indiziert, wenn bei Verdacht auf ein Takotsubo-Syndrom die Diagnose unsicher bleibt – vor allem bei akutem Troponinanstieg ohne relevante Koronarstenose und zur Abgrenzung von Myokardinfarkt und Myokarditis. Bei der Arbeitsdiagnose MINOCA ist sie nach der ESC-Leitlinie 2023 zum akuten Koronarsyndrom empfohlen. Das Myokardödem als Schlüsselbefund bildet sich zurück – die Untersuchung sollte daher möglichst früh erfolgen, idealerweise innerhalb von zwei Wochen nach dem Ereignis.

Wie? – MRT-Protokoll

Das Protokoll entspricht dem MINOCA-Protokoll und kombiniert Funktion, Ödem- und Narbendiagnostik:

  • Cine: globale Funktion sowie Ausdehnung und Lokalisation der Wandbewegungsstörung (apikal, mittventrikulär, basal oder fokal)
  • T2-gewichtete Sequenzen und T2-Mapping: Nachweis des Myokardödems in den betroffenen Segmenten
  • T1-Mapping nativ und ECV
  • Early- und Late Gadolinium Enhancement (LGE): Ausschluss von Narbe bzw. Infarkt, mikrovaskulärer Obstruktion und Thrombus

Was? – Typische Befunde

Typisch ist ein charakteristisches Muster aus Funktion und Gewebe:

  • Funktion: regionale Wandbewegungsstörung über ein Koronarterritorium hinaus, meist apikal und häufig mit hyperkontraktiler Basis
  • Ödem: erhöhtes T2-Signal bzw. erhöhte T2-Mapping-Werte in den betroffenen Segmenten; natives T1 und ECV sind akut erhöht
  • LGE: kein relevantes LGE – das unterscheidet das Takotsubo-Syndrom vom Myokardinfarkt und von der Myokarditis
  • Verlauf: Funktion und Ödem normalisieren sich in der Regel; mögliche Zusatzbefunde sind eine rechtsventrikuläre Beteiligung, ein Pleuraerguss und ein linksventrikulärer Thrombus
Abb.: Diagnostischer Grundalgorithmus der Kardio-MRT beim Takotsubo-Syndrom – von der Arbeitsdiagnose über Funktion, Mapping und LGE zur Diagnose und therapeutischen Konsequenz. Klinische Fragestellung V. a. Takotsubo: Troponin ↑, keine Koronarstenose Kardio-MRT Funktion Regionale WBS über Koronarterritorium hinaus, meist apikal Mapping T2 ↑ (Ödem) in den betroffenen Segmenten T1 nativ ↑, ECV ↑ LGE Kein relevantes LGE: Abgrenzung zu Infarkt und Myokarditis Diagnose (Ursache) Takotsubo-Syndrom DD: Myokardinfarkt, Myokarditis Klinische Konsequenz Supportive Therapie Verlaufskontrolle der Funktion LV-Thrombus: Antikoagulation herzbildgebung.nrw
Abb.: Diagnostischer Grundalgorithmus der Kardio-MRT beim Takotsubo-Syndrom – von der Arbeitsdiagnose über Funktion, Mapping und LGE zur Diagnose und therapeutischen Konsequenz.

Differenzialdiagnosen

Wichtigste Differenzialdiagnosen sind der Myokardinfarkt (vgl. KHK: koronarterritoriales, subendokardial beginnendes LGE) und die Myokarditis (vgl. Myokarditis: subepikardiales bzw. mid-wall LGE, typischerweise inferolateral). Alle drei zeigen ein Ödem – das LGE-Muster trennt sie. Peripartal ist zusätzlich die Peripartum-Kardiomyopathie abzugrenzen; auch weitere Kardiomyopathien gehören zur erweiterten Differenzialdiagnose.

Warum? – Klinische Konsequenzen

Die Diagnose bestimmt Therapie und Verlaufskontrolle:

  • Takotsubo-Syndrom: supportive Therapie und Verlaufskontrolle der Funktion
  • Myokardinfarkt oder Myokarditis: ursachenspezifische Therapie (vgl. MINOCA)
  • LV-Thrombus: Antikoagulation

Besonderheiten bei Frauen

Das Takotsubo-Syndrom betrifft überwiegend postmenopausale Frauen. Die frühe Kardio-MRT verhindert, dass diese Patientinnen ohne klare Diagnose bleiben. Zur Einordnung als Ursache eines Infarkts ohne Koronarstenose siehe MINOCA.

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Quick Reference

IndikationVerdacht auf Takotsubo-Syndrom, v. a. bei Troponinanstieg ohne relevante Koronarstenose
Zeitpunktmöglichst früh, ideal innerhalb von 2 Wochen
Wichtigste SequenzenCine · T2-Mapping/T2w · T1-Mapping/ECV · Early-LGE · LGE
Typischer BefundWandbewegungsstörung über ein Koronarterritorium hinaus (meist apikal) mit Ödem, ohne relevantes LGE
Wichtigstes DifferenzialMyokardinfarkt, Myokarditis
Klinische KonsequenzSupportive Therapie, Verlaufskontrolle der Funktion
MerkeFunktionsstörung und Ödem ohne relevantes LGE
Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Sprecherin der DGK-Arbeitsgruppe 21 (Kardio-MRT)

Über die Autorin

Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper ist Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie und Sprecherin der Arbeitsgruppe 21 (Magnetresonanztomographie) der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und zertifiziert als DGK Level 3 sowie SCMR Level III für kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie. Zudem verfügt sie über umfangreiche klinische Erfahrung als Leiterin der kardiologischen Notaufnahme und Chest Pain Unit. Ihre wissenschaftlichen Publikationen rund um Herzbildgebung und Kardio-MRT finden Sie auf PubMed.

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