MINOCA im Kardio-MRT


Kurz & knapp

MINOCA (Myocardial Infarction with Non-Obstructive Coronary Arteries) bezeichnet einen Myokardinfarkt ohne relevante Koronarstenose. MINOCA ist eine Arbeitsdiagnose: Hinter dem Troponinanstieg können ein ischämischer Infarkt, aber auch eine Myokarditis oder ein Takotsubo-Syndrom stehen. Die Kardio-MRT klärt die Ursache in der Mehrzahl der Fälle – und zwar am zuverlässigsten, wenn sie früh erfolgt.

Hintergrund

Bei einem relevanten Teil der Patientinnen und Patienten mit akutem Myokardinfarkt zeigt die Koronarangiographie keine Stenose ≥ 50 %. Mögliche Ursachen sind Plaqueruptur oder -erosion, Koronarspasmus, koronare Embolie oder Thrombose und die spontane Koronardissektion (SCAD). Nicht-ischämische Erkrankungen wie Myokarditis oder Takotsubo-Syndrom imitieren das klinische Bild und müssen abgegrenzt werden. MINOCA betrifft häufiger Frauen und jüngere Menschen als der Infarkt mit obstruktiver KHK.

Wann? – Indikation

Die Kardio-MRT ist bei der Arbeitsdiagnose MINOCA ohne offensichtliche Ursache nach der ESC-Leitlinie 2023 zum akuten Koronarsyndrom empfohlen. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Das Myokardödem als Schlüsselbefund bildet sich zurück – die Untersuchung sollte daher möglichst früh, idealerweise innerhalb von zwei Wochen nach dem Ereignis erfolgen.

Wie? – MRT-Protokoll

Das Protokoll kombiniert Funktion, Ödem- und Narbendiagnostik:

  • Cine: globale Funktion und Verteilung der Wandbewegungsstörungen
  • T2-gewichtete Sequenzen und T2-Mapping: Nachweis und Lokalisation des Myokardödems
  • T1-Mapping nativ und ECV
  • Early- und Late Gadolinium Enhancement (LGE): Muster der Schädigung, mikrovaskuläre Obstruktion und Thrombus

Was? – Typische Befunde

Das Verteilungsmuster von Ödem und LGE ordnet die Ursache zu:

  • Ischämisch: subendokardial beginnendes, streng koronarterritoriales LGE, oft klein, mit Ödem im selben Territorium – Myokardinfarkt bestätigt (vgl. KHK)
  • Myokarditis: subepikardiales bzw. mid-wall LGE, typischerweise inferolateral, mit Ödem (Lake-Louise-Kriterien)
  • Takotsubo-Syndrom: Wandbewegungsstörung über ein Koronarterritorium hinaus (meist apikal) mit Ödem, aber ohne relevantes LGE
  • Unauffällige MRT: MINOCA im engeren Sinn – weitere Abklärung (z. B. Spasmus, Gerinnung, SCAD)
Abb.: Diagnostischer Grundalgorithmus der Kardio-MRT bei MINOCA – von der Arbeitsdiagnose über Funktion, Mapping und LGE zur Ursache und therapeutischen Konsequenz. Klinische Fragestellung V. a. MINOCA: Troponin ↑, keine Koronarstenose ≥ 50 % Kardio-MRT Funktion Regionale WBS territorial oder über Territorien hinaus Mapping T2 ↑ (Ödem) im betroffenen Areal T1 nativ ↑, ECV ↑ LGE Muster entscheidet: ischämisch vs. nicht-ischämisch vs. keins Diagnose (Ursache) Infarkt · Myokarditis · Takotsubo ohne Befund: MINOCA im engeren Sinn – weitere Abklärung Klinische Konsequenz Infarkt: Sekundärprävention, ursachenspezifisch Myokarditis/Takotsubo: Schonung, Verlaufskontrolle Thrombus: Antikoagulation herzbildgebung.nrw
Abb.: Diagnostischer Grundalgorithmus der Kardio-MRT bei MINOCA – von der Arbeitsdiagnose über Funktion, Mapping und LGE zur Ursache und therapeutischen Konsequenz.

Differenzialdiagnosen

Die wichtigsten Differenzialdiagnosen sind die Myokarditis (nicht-ischämisches LGE) und das Takotsubo-Syndrom (Ödem ohne LGE). Daneben sind ein Typ-2-Infarkt bei Anämie, Tachykardie oder Sepsis sowie eine vorbestehende, bislang unbekannte Kardiomyopathie zu bedenken.

Warum? – Klinische Konsequenzen

Die Ursache bestimmt die Therapie – die Kardio-MRT verändert daher häufig das weitere Vorgehen:

  • Ischämischer Infarkt: Sekundärprävention wie bei obstruktiver KHK, ergänzt um ursachenspezifische Therapie (z. B. bei Spasmus oder SCAD)
  • Myokarditis: körperliche Schonung, Verlaufskontrolle, Beachtung von Red Flags
  • Takotsubo-Syndrom: supportive Therapie und Verlaufskontrolle der Funktion
  • LV-Thrombus: Antikoagulation; Infarktgröße und mikrovaskuläre Obstruktion sind prognostisch relevant

Besonderheiten bei Frauen

MINOCA betrifft Frauen häufiger als Männer. Hinzu kommen zwei Ursachen, die fast ausschließlich bzw. überwiegend Frauen betreffen: die spontane Koronardissektion (SCAD), häufig peripartal oder bei fibromuskulärer Dysplasie, und das Takotsubo-Syndrom, überwiegend bei postmenopausalen Frauen. Die frühe Kardio-MRT verhindert, dass diese Patientinnen ohne klare Diagnose bleiben. Zur Abgrenzung der koronaren Mikrozirkulationsstörung siehe Mikrovaskuläre Dysfunktion (INOCA/ANOCA).

Alle Themen im Überblick: Kardio-MRT bei Frauen →

Quick Reference

IndikationArbeitsdiagnose MINOCA ohne offensichtliche Ursache
Zeitpunktmöglichst früh, ideal innerhalb von 2 Wochen
Wichtigste SequenzenCine · T2-Mapping/T2w · T1-Mapping/ECV · Early-LGE · LGE
Typischer BefundMuster von Ödem und LGE: ischämisch vs. Myokarditis vs. Takotsubo
Wichtigstes DifferenzialMyokarditis, Takotsubo-Syndrom
Klinische KonsequenzUrsachenspezifische Therapie, Sekundärprävention, Verlaufskontrolle
MerkeMINOCA ist eine Arbeitsdiagnose
Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Sprecherin der DGK-Arbeitsgruppe 21 (Kardio-MRT)

Über die Autorin

Prof. Dr. med. Nadine Abanador-Kamper ist Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie und Sprecherin der Arbeitsgruppe 21 (Magnetresonanztomographie) der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und zertifiziert als DGK Level 3 sowie SCMR Level III für kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie. Zudem verfügt sie über umfangreiche klinische Erfahrung als Leiterin der kardiologischen Notaufnahme und Chest Pain Unit. Ihre wissenschaftlichen Publikationen rund um Herzbildgebung und Kardio-MRT finden Sie auf PubMed.

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